Gegen Armut hilft kein Präparat

 

Die Gesellschaft beruht auf einem wachsenden Widerspruch zwischen

einer kleinen Schicht von Vermögenden und einer um das vielfach

größeren Schicht, die nicht einmal einen Bruchteil dessen besitzen. Die

Solidarität mit denjenigen, denen die Leistungsfähigkeit abgesprochen

wird, nimmt in einer von Erfolg und Leistung dominierten Gesellschaft

stetig ab. Wer Sozialleistungen bezieht, gilt häufig als faul oder als

Versager. Menschen mit seelischer Erkrankungen werden  aus dem

Lebensalltag verbannt und können sich kaum am gesellschaftlichen

Leben beteiligen. Sie fristen ein karges Dasein unterhalb der

Armutsgrenze, häufig in einer speziellen Einrichtung verwaltet.

 

Häufig dürfen Betroffene nicht zusätzliches, eigenes Geld dazu

verdienen, sondern sind auf staatliche Hilfen angewiesen, die auch

bei Hochkunjunktur gekürzt werden. Der Verwaltungsapparat verschlingt

häufig das Geld aus staatlichen Hilfsprogrammen, ohne dass es den

Betroffenen zugute kommt. Statt den Armen wirklich zu helfen wird

verhindert, dass sie sich selbst helfen. Sie werden bevormundet und

entmündigt etwa durch Sondergesetze zur Schaffung eines zweiten

Arbeitsmarkts, in denen Betroffene gegenüber gesunden

Arbeitskräften benachteiligt sind.

 

Armut ist kein natürliches Schicksal, auch wenn sie häufig von einer

Generation an die nächste weitergegeben wird. Seelische Erkrankungen

sind ebenso wenig ererbtes Schicksal oder Erbkrankheit. Armut kann

nicht dadurch gelindert werden, indem von einer seelischen Erkrankung

Betroffenen die Möglichkeit zur selbstbestimmten Lebensgestaltung

abgesprochen wird, noch indem ihnen Präparate verordnet werden.

Gegen Armut hilft kein Präparat, sondern nur ein gesellschaftliches

Umdenken.